Die systemische Verhaltensberatung für neue Wege mit Hund & Pferd

Jedes Lebewesen ist mit seinem Umfeld verbunden. Dieses beeinflusst seine Emotionen, sein Handeln und auch seine Gesundheit.

Jeder Mensch steht in Verbindung mit anderen Menschen. Mit einem Partner, mit Kindern, Eltern, Freunden, Kollegen, mit sozialen Netzwerken und anderen. Je enger die Beziehung, desto mehr Einflussnahme üben diese Verbindungen aufeinander aus. Es entsteht ein System. Zum Beispiel das System der Familie, in dem jedes einzelne Mitglied zählt.

Hunde, Katzen und Pferde spielen heute eine umfassende Rolle im Leben vieler Menschen. Sie sind Freund, Sozialpartner, Familienmitglied. Und so sind auch sie nicht trennbar aus dem systemischen Gefüge.

Tiere stehen in engster Verbindung mit den Menschen ihres Lebens sowie mit anderen tierischen Weggefährten.
Menschen und Tiere beeinflussen einander. Und das sehr intensiv!

Ein Umstand, dessen positive Eigenschaften sich die tiergestützte Therapie zu nutze macht. Hier zählt vor allem der heilsame Effekt von Tieren auf den Menschen. Unzählige Studien belegen die Wirkung. Der Umgang mit einem entspannten Tier führt beim Menschen zu umfangreichen körperlichen und psychischen Effekten. Insbesondere die durch den Kontakt ausgelösten Reaktionen auf hormoneller und neurologischer Ebene wirken regulierend auf Organsysteme. Das „Wohlfühlhormon“ Oxytocin ist daran maßgeblich beteiligt, es senkt die in der Nebenniere produzierten Stresshormone Adrenalin und Cortisol. In Folge fühlen wir uns besser.

In identischer Weise produzieren auch Tiere Oxytocin, Adrenalin, Cortisol sowie vielfältige andere Hormone, Neurotransmitter und Botenstoffe. Die biochemische Welt ist keine Einbahnstrasse!

Welchen Einfluß übe ich auf mein Tier aus?

Wenn dieses Phänomen bereits während eines kurzen Tierbesuchs im Pflegeheim funktioniert, wie deutlich müssen die Auswirkungen sein, wenn wir in tiefer Verbundenheit unseren gesamten Alltag miteinander verbringen? Der Organismus unseres Tieres reagiert in identischer Weise wie der unsere, im positiven als auch negativen Sinne.

Tiere spiegeln ihre Menschen, übernehmen ihre Stimmungslage, ihre Freude und ihren Stress.

Was bedeutet das für Verhaltensberatung und Training?

Systemische Verhaltensberatung

Die systemische Verhaltensberatung beziehen die Wechselwirkungen innerhalb eines spezifischen Mensch-Tier-Gefüges in die Problemberatung ein.

Ein Hund oder ein Pferd ist nicht verhaltensauffällig weil es ein Problem aus sich selbst hat, es geht in Resonanz mit seiner Umwelt. Auch chronische sowie psychosomatische Erkrankung können (und sollten) systemisch betrachtet werden. Und besonders in der Trainingsgestaltung kommt man um die individuelle Verfassung und die Persönlichkeit des Tierhalters nicht umher.

Verhaltensprobleme oder gesundheitliche Störungen werden oftmals im Zuge gravierender Lebensveränderungen sichtbar. Familiäre Konflikte, Umzug, Krankheiten, Verluste oder (andere) traumatische Ereignisse belasten nicht nur den Menschen. Die emotionale Verfassung und der entstehende Stress, egal ob offensichtlich oder unterschwellig, übertragen sich auf die Tiere mit denen wir leben – und das kann durchaus auch das Pferd im 40km entfernen Stall sein.

Die Liste der möglichen Reaktionen ist lang: Verhalten ändert sich, ein Hund wird vielleicht unsauber, lethargische oder aggressiv, ein Pferd reagiert mit ungewohnter Nervosität oder Angst. Insbesondere verdrängte Wut oder Trauer finden sich bei tieferer Betrachtung oft im Kern eines Problems. Dabei ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, nur der Mensch würde um ein verstorbenes oder anderweitig fehlendes Mitglied der Familie trauern. (Anm.: Zu dem großen und wichtigen Thema Abschied und Trauerbewältigung gehe ich an anderer Stelle gesondert ein.)

Fazit ist, die Gesichter der Resonanz sind vielfältig und können im Laufe der Zeit zu Verhaltensstörungen oder körperlichen Erkrankungen führen. Es sollte daher ein grundsätzlicher Ansatz in der Mensch-Tier-Beratung sein, systemische Zusammenhänge zu bemerken, anzuerkennen und in die Anamnese, die Beratung, bzw. systemische Verhaltensberatung und Trainingsgestaltung einzubeziehen.

Jeder engagierte Tierhalter sollte bei bisher unbekannten Verhaltensänderungen seines Tieres über ein eventuell „systemisches“ Wie und Warum nachdenken und potentielle Faktoren seinem Trainer oder Tierarzt berichten. Insbesondere biografische Ereignisse sind hierfür interessant.

Wann trat das Verhalten erstmals auf? Gab es vorher besondere Begebenheiten in unserem Leben? Hören Sie für die Antworten auf Ihr Bauchgefühl! Meist ist der erste Gedanke, das erste Bild dazu durchaus eine nähere Betrachtung wert!

Ich wünsche allen Tierfreunden viel Spass auf dieser Entdeckungstour!

2 Kommentare
    • Angela Zimmermann
      Angela Zimmermann sagte:

      Vielen Dank Hilke! Ich bemühe mich, zukünftig regelmäßig Artikel aus diesem Bereich zu veröffentlichen. Dieser war nun nach Baby- und Umzugspause mein Auftakt… Ich bin auch gern für Wunschthemen zu haben! Liebe Grüße nach Lindow!

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.