„Bääääh“ macht das Kind und schaut seine, ihm relativ unbekannte Verwandtschaft empört an. Entsetzen. Warum willst du denn die Tante nicht küssen? fragt diese. Nein, bäh! macht mein Kind und wischt sich mit dramatischer Geste verächtlich den Kopf ab. Ich bekomme schiefe Blicke von der Familie, gehe den rettungssuchenden Ärmchen meines Kindes entgegen und bin stolz auf ihn! Und ein bisschen auch auf mich, denn anscheinend habe ich es geschafft, zwar kein höfliches, dafür aber ein selbstbestimmtes Kind zu erziehen.

Auf-den-Schoß-müssen, Zwangsküsse, Umarmungen, Köpfe tätscheln, … Wo fängt es für unsere Kinder an, über die Grenze des eigenen Wohlgefühls zu gehen? Viele Eltern möchten den gesellschaftlichen Ton wahren, möchten sich nicht vorwerfen lassen, ein „ungezogenes“ Kind zu haben. Pass dich an, sei nett und fügsam. Insbesondere viele Mütter möchten den Konventionen entsprechen, haben sie es doch selbst nie anders gelernt.

Aber was, wenn irgendwann jemand erwartet, dass aus Fügsamkeit mehr werden soll? Wer schützt unsere Kinder, wenn sie nicht gelernt haben, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen? Intuition ist ein wertvolles Gut. Mit jedem „Nein“ das wir unseren Kindern zugestehen, helfen wir ihnen, ihre Intuition zu stärken, sich selbst zu vertrauen und ihnen zu zeigen, dass auch wir ihnen vertrauen und zu ihnen stehen.

Kein Kind muss küssen müssen – ebenso wenig wie ein Erwachsener.

Auf die Frage, wie man sein Kind vor möglichen sexuell motivierten Übergriffen schützten kann, gibt es einige Antworten, aber leider nie die 100%ige Sicherheit. Eine der grundlegenden Präventionsmaßnahmen beginnt schon innerhalb des familiären Umfelds und dürfte eigentlich ganz einfach sein: das kindliche Nein akzeptieren! Kompromisslos, wertschätzend und mit dem Respekt, den wir auch einem Erwachsenen entgegenbringen würden.

Jedes Kind sollte lernen, dass es Nein sagen darf. Jederzeit zu Jedermann! Egal ob Babysitter, Onkel, Nachbar, Lehrer oder Arzt. Ein Nein ist ein Nein. Als Eltern sind wir in der Pflicht, dies zu unterstützten – und vielleicht lernen auch wir selbst dadurch etwas über unsere Grenzen, unsere Körperwahrnehmung und unsere Intuition.

Dieses laute „Nein, bähhh“ finde ich auf jeden Fall ganz wundervoll! Soll’n doch Tanten und Omas unsere Neufundländer küssen. Die warten da stets gern und immer drauf. DAS will aber komischerweise keiner…

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